Ein Gemälde findet heim

Um 1900 herum lebte und arbeitete der Kunstmaler Bernhard Giffels in der alten Domstadt Köln, neben seiner Arbeit auch den angenehmen Seiten des Lebens zugetan als da sind ein gutes Essen und „e lecker Tröppche“.

Besonders der letzteren Lebensform zu frönen fand er freundschaftliches Verstehen und sogar fachmännische Hilfe bei seinem väterlichen Freund, dem allseits bekannten und reputierlichen Weinhändler Köbes Keller als dem Eigentümer der Stadtkellerei Köln.

Die den beiden gleiche Freude am genießerischen Stündchen beim „Jeläsje Wing“ verbanden Künstler und Kaufmann, über Jahre hin war ein herzliches und geradezu familiäres Verhältnis zwischen ihnen gewachsen.

Und dann die sensationelle Ankündigung des k.u.k. Hofes zu Wien: „...Gestatten Wir uns, Ihrem geschätztem Hause behufs einer Verköstigung ausgesuchter Kreszenzen unsere Aufwartung zu machen!“

Man bedenke! Das Jahr 1904, und Ihre kaiserliche Majestät Franz Joseph wollten beim „Kellersch Köbes ze Cöllen“ Wein kaufen! Es ist nicht bekannt, welche edlen Gewächse auf die Tafel kamen, aber, so wird berichtet, die ‚Nagelproben hätten selbst dem Schlaraffenland alle Ehre gemacht‘.

Und dann – o Glück - blieben noch Reste übrig; „Kumm ens probeere“ hieß es an den Malerfreund; und dem waren solche Köstlichkeiten noch nie über die Zunge gekommen.

Das Geheimnis des alten Weinhändlers

„Nit wohr, da staunste? Ejaa mer kann och us Druve Wing maache!“     ........man kann auch Trauben WEIN machen. (Hier sei eingeflochten, dass zum Ende des 19. Jahrhunderts der ‚Kunstwein‘, den Weinpanscher chemisch produzierten, gesetzlich erlaubt und häufig war.)

Und dieser herrliche Probentag sollte den Kuss der Muse bringen; Bernhard Giffels stand an der Staffelei, das „Geheimnis des alten Weinhändlers“ auf die Leinwand zu bannen: unseren Jakob Keller als steinalten Mann im Ohrensessel im Kreise seiner Söhne Theodor-Jakob, Hans und dem jüngsten, Fritz-Wolf. Es bedarf nicht der Schilderung, wie diese Offenbarung einschlug; die Haltung und Gesichter der drei Söhne sprechen für sich!

„Man kann auch aus Trauben Wein machen!“      -      Das war mal eine echte Neuigkeit!

Keine Frage, dass das Gemälde mit seinen fast lebensgroßen Personen der bewunderte Mittelpunkt der Geburtstagsgesellschaft bei Jakob Keller war, als dieser 1905 mit Familie und Freunden feierte!

Das Bild hat inzwischen etliche Stationen erlebt, zuletzt unterhalb der Burg Blankenheim in dem zur Gaststätte umgebauten Taubenhaus Derer von Blankenheim, dem jetzt noch bestehendem Restaurant „Em Duffes“ („Im Taubenhaus“).

Glückliche Umstände führten den letztem Besitzer Lewé und Klaus-Anton Giffels zusammen, sie wurden, wie man sieht, handelseinig und hier ist nun das Bild nach fast hundert Jahren „daheim“, bei der Familie Giffels, die ihren Maler-Sproß in Köln nicht vergessen hat.

(Zeitgenössischen Quellen und Besitzer-Berichten nacherzählt: Fred Braun, 1995)